{"id":4388,"date":"2025-03-23T16:26:58","date_gmt":"2025-03-23T15:26:58","guid":{"rendered":"https:\/\/zutun.info\/?p=4388"},"modified":"2025-03-27T22:41:18","modified_gmt":"2025-03-27T21:41:18","slug":"mein-weg-meine-regeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zutun.info\/de-ls\/2025\/03\/23\/mein-weg-meine-regeln\/","title":{"rendered":"BLOG-EINTRAG &#8211; Mein Weg, meine Regeln!"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit etwa 1 Jahr mache ich eine Weiterbildung zur Content Creatorin \u2013 ein Weiterbildungsprogramm, das in Wahrheit das Niveau eines Studiums hat. Warum ich das betone? Ganz einfach, weil die Gesellschaft oft annimmt, dass ich aufgrund meiner Behinderungen nichts leisten kann. Es hei\u00dft st\u00e4ndig, ich h\u00e4tte \u201ebesondere Bed\u00fcrfnisse\u201c. Deshalb m\u00fcsse ich ins Berufsf\u00f6rderungswerk f\u00fcr sehbehinderte und blinde Menschen gehen \u2013 eine spezielle Berufsschule, in der bereits vorgegebene Berufe unterrichtet werden. Dort stehen zwar Hilfsmittel f\u00fcr Sehbehinderte bereit, und die Ausbilder sind auf Sehbehinderung und Blindheit geschult, aber das reicht nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn ich bin nicht nur sehbehindert \u2013 ich habe auch eine Sprachbehinderung und bin chronisch krank. Soll ich mich deswegen auf bestimmte Berufe einschr\u00e4nken lassen, nur weil meine gesundheitliche Situation es scheinbar vorgibt? Ich hasse es, wenn andere \u00fcber meinen Kopf hinweg entscheiden wollen, was f\u00fcr mich richtig ist. Ich wei\u00df selbst am besten, was ich leisten kann und was nicht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kampf um die Ausbildung als Content Creater<\/h3>\n\n\n\n<p>Vor zwei Jahren habe ich zum ersten Mal von der Ausbildung zur Content Creatorin im Internet geh\u00f6rt. Daraufhin habe ich beim Amt nachgefragt und die Unterlagen f\u00fcr diese Weiterbildung eingereicht. Doch was war die erste Reaktion? \u201eNicht zukunftsorientiert!\u201c Da fragt man sich wirklich: <strong>Wissen die nicht, dass sich heutzutage fast alles im Internet abspielt?<\/strong> W\u00e4hrenddessen habe ich weiter an meinem Account gearbeitet und nach anderen L\u00f6sungen gesucht \u2013 bis ich irgendwann die Chance bekam und Unterst\u00fctzung fand. Schlie\u00dflich konnte ich die Weiterbildung doch beginnen, weil jemand in mir Potenzial gesehen hat. Dennoch musste ich auf dem Weg dorthin viel Ableismus erleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei meiner Ausbildungsstelle habe ich direkt klargestellt, was meine Situation ist. Nat\u00fcrlich lief der Anfang holprig, aber schlie\u00dflich wurde mir ein eigener Account eingerichtet, der barrierefrei f\u00fcr mich angepasst wurde. Und was ist daran so schwierig oder au\u00dfergew\u00f6hnlich? Eigentlich gar nichts. Die meisten Funktionen sind heutzutage ohnehin schon in den Computer integriert. K\u00fcnstliche Intelligenz hilft mir beispielsweise bei der Grammatik. Insgesamt bin ich zufrieden, weil ich in der Ausbildung kaum Ableismus erfahre. Trotzdem begegnet er mir hin und wieder \u2013 wenn auch oft in subtiler, versteckter Form.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>Barrierefreiheit vs Perfektion<\/h3>\n\n\n\n<p>Alles beginnt mit dem Thema Perfektion. Aber was ist Perfektion \u00fcberhaupt? Aufgrund meiner Behinderungen kann ich nicht immer alles perfekt machen, weil ich die Dinge anders angehen muss. Ich bin st\u00e4ndig damit besch\u00e4ftigt, meine Behinderungen auszugleichen \u2013 selbst wenn ich barrierefreie Programme und Einstellungen in vielen Formen nutze. Jedes Mal, ob in einer Vorlesung vor Ort oder online, f\u00e4ngt mein Gehirn an zu arbeiten: <strong>\u201eWie soll ich das am besten umsetzen?\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Man h\u00f6rt immer wieder, dass bestimmte Programme in der Industrie genutzt werden \u2013 nur weil sie zahlreiche Funktionen und Spezialeffekte bieten. Aber ist das wirklich entscheidend? Ist es wichtiger, die spektakul\u00e4rsten Features zu nutzen und dabei \u00fcberfordert zu sein, oder sollten wir uns fragen: \u201eWeniger ist mehr\u201c? Einfachheit ist oft barrierefreier und dadurch effektiver.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">KI eine L\u00f6sung?<\/h3>\n\n\n\n<p>Aber was ist mit der KI? K\u00fcnstliche Intelligenz wird in Zukunft auch Teile des Handwerks ersetzen. Ich bin \u00fcberzeugt, dass KI ein \u00e4u\u00dferst n\u00fctzliches Werkzeug f\u00fcr Menschen mit Behinderungen in der Arbeitswelt sein kann. Doch auch hier werden behinderte Menschen oft \u00fcbersehen. Jede Weiterentwicklung eines Programms sollte mit Anpassungen f\u00fcr Barrierefreiheit einhergehen \u2013 ein entscheidender Punkt, der h\u00e4ufig ignoriert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch diese Anpassungen k\u00f6nnten Menschen mit Behinderungen Zugang zu anderen Berufsfeldern erhalten, abseits der vorgegebenen \u201eklassischen\u201c Berufe. Das w\u00e4re ein Schritt in die richtige Richtung. Leider wird Barrierefreiheit auf vielen Ebenen vergessen. Es gibt so viele Arbeitsbereiche, die Menschen mit Behinderungen erobern k\u00f6nnten, um ihre Perspektiven sichtbar zu machen. Doch in Deutschland ist der Weg dorthin noch lang.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt, dass viele behinderte Menschen sich ihres eigenen Ableismus nicht bewusst sind. Das macht es umso schwieriger, aus dem \u201eGef\u00e4ngnis\u201c des bestehenden Systems auszubrechen. Hier liegt eine gro\u00dfe Gefahr: ohne Ver\u00e4nderung bleiben wir in den Strukturen gefangen, die uns einschr\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>Wenn der eigene Ableismus dazu kommt?<\/h3>\n\n\n\n<p>Oft sp\u00fcre ich meinen eigenen Ableismus und bin mir dessen bewusst. Ich m\u00f6chte meine Pr\u00fcfungsabgabe gut machen \u2013 mein oberstes Ziel ist es, zu bestehen. Bis jetzt habe ich das sehr gut hinbekommen, worauf ich stolz bin. Aber es gibt Momente, in denen ich mir selbst sagen muss: <strong>\u201eIch mache es eben anders.\u201c<\/strong> Auch wenn es mehr Schritte bedeutet. Aber ich kann das, auch wenn es f\u00fcr die Mehrheit nicht perfekt ist. W\u00fcrde ich mir einreden, dass ich alles perfekt machen muss, h\u00e4tte ich vieles nicht erreichen k\u00f6nnen. Stattdessen w\u00e4re ich in meinen eigenen Schatten gefallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem signalisiert mir die Gesellschaft oft unterschwellig: <strong>\u201eDu musst alles perfekt machen \u2013 auch mit deiner Behinderung.\u201c<\/strong> Hier greift das Leistungsprinzip. Gleichzeitig habe ich keine Lust, st\u00e4ndig zu erkl\u00e4ren: <strong>\u201eHallo, ich bin behindert, und die Programme sind nicht optimal.\u201c<\/strong> An dieser Stelle treffen \u00e4u\u00dferer Ableismus und mein eigener aufeinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem liegt jedoch nicht nur an menschlichen Einstellungen, sondern auch an den starren Normen der Arbeitswelt. Ob im Internet, in den sozialen Medien oder in der \u201enormalen\u201c Arbeitswelt \u2013 es wird st\u00e4ndig vergessen, dass niemand perfekt ist. Nicht einmal Maschinen sind perfekt; auch sie geben nach einer Weile nach.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>Die Perfektion der Sozialen Medien<\/h3>\n\n\n\n<p>Was w\u00fcrde passieren, wenn die sozialen Medien und das Internet pl\u00f6tzlich ausfallen w\u00fcrden? Es g\u00e4be einen gro\u00dfen Aufschrei \u2013 doch wer w\u00fcrde ihn wirklich h\u00f6ren? Die Menschen, die st\u00e4ndig ihre perfekten Figuren und versch\u00f6nerte Welten pr\u00e4sentieren, w\u00e4ren auf einmal \u201eweggecancelt\u201c. Aber was ist mit den Minderheiten? Sie wurden schon immer irgendwo \u201eweggecancelt\u201c. Selbst wenn sie sich ein wenig Sichtbarkeit erk\u00e4mpfen konnten, bleiben die Regeln der Plattformen oft diskriminierend und nicht barrierefrei.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Internet selbst ist in vieler Hinsicht ableistisch, weil es Perfektion verlangt. Um mit einem Bericht oder Post ein hohes Ranking zu erreichen, muss man sich den vorgegebenen Standards anpassen \u2013 Standards, die behinderte Menschen oft ausschlie\u00dfen. Dadurch wird ihre Sichtbarkeit stark eingeschr\u00e4nkt, obwohl sie im Verh\u00e4ltnis mehr Zeit im Internet verbringen als andere Gruppen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir d\u00fcrfen auch Raum einnehmen \u2013 nicht nur die anderen. Warum sollten wir das zulassen, dass unsere Perspektiven unsichtbar bleiben? Es ist an der Zeit, dass wir uns diesen Platz nehmen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>Unsichtbar mehrfachbehindert und aus dem System<\/h3>\n\n\n\n<p>Aufgrund meiner Hauptbehinderungen sind viele Dinge f\u00fcr mich sehr anstrengend. Manche w\u00fcrden jetzt sagen: <strong>\u201eDann lass es doch.\u201c<\/strong> Aber meine Antwort ist: <strong>\u201eNein. Denn es macht mir Spa\u00df.\u201c<\/strong> Es kommt auf die richtige Abstimmung zwischen Behinderung und Barrierefreiheit an.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade ich falle oft aus dem System heraus, weil ich nicht in die allgemeine Vorstellung von Behinderung passe \u2013 und ich sp\u00fcre das st\u00e4ndig. Deshalb bin ich in vielen Situationen auf mich allein gestellt. Umso dankbarer bin ich, dass ich eine Ausbildungsstelle gefunden habe, an der auf meine Bed\u00fcrfnisse geachtet wird. Trotzdem nehme ich hier und da versteckten Ableismus wahr, sei es durch Unwissenheit oder das Leistungsprinzip.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch muss ich sagen, dass diese Ausbildungsstelle im Vergleich zu anderen Bildungseinrichtungen, die ich erlebt habe, zu meinen Top 3 geh\u00f6rt. Und ich habe bereits einige Erfahrungen gesammelt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit etwa 1 Jahr mache ich eine Weiterbildung zur Content Creatorin \u2013 ein Weiterbildungsprogramm, das in Wahrheit das Niveau eines Studiums hat. Warum ich das betone? Ganz einfach, weil die Gesellschaft oft annimmt, dass ich aufgrund meiner Behinderungen nichts leisten kann. Es hei\u00dft st\u00e4ndig, ich h\u00e4tte \u201ebesondere Bed\u00fcrfnisse\u201c. 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